About

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Rizomas. Mario Núñez 2015, Katalog Dentro y Afuera, Mexico Stadt.

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The Gender Rhizome Project is part of the Image Knowledge Gestaltung Excellence Cluster at Humboldt University in Berlin. The project addresses intersecting issues of crucial importance to a large number of topics relevant to the cluster that merit investigation at higher level: colour in natural scientific images, emerging activity and the materiality of reference in images are some of the topics that the Gender Rhizome works on. Its findings on these issues are presented at its stand and can be »experienced« via a VR station, interactive websites, and digital and analogue games.

The Rhizome Rhizome operates in a networked research interaction with the cluster projects and aims to work collaboratively on transdisciplinary gender issues arising in the projects so as to generate research questions and results.  We adopt approaches from gender research, such as difference and symbolic orders, and see gender as a category that is both critical and productive. We examine its generative character and use its potential for insight.

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Der Bild Wissen Gestaltung Cluster hat sich zum Ziel gesetzt, im Interdisziplinären Labor nicht nur Diversity-Forschung anzugehen, sondern auch Geschlechterforschung zu betreiben. Hierfür wurde das Projekt Rhizom, eingeordnet in Architekturen des Wissens und geleitet von Prof. Dr. Kerstin Palm und Bettina Bock von Wülfingen bewilligt, das im März mit den zwei Hilfskräften Julia Weitzel und Florian Bodewald, sowie dem Stipendiaten und Doktorand Martin Kallmeyer startete und sich Rhizom nennt. Denn entgegen landläufigem Laienverständnis sind die beiden Forschungsrichtungen Diversity und Gender Studies keineswegs als synonym zu verstehen, da Diversity sich nach ihrer Herkunft aus dem Personalmanagement definitionsgemäß auf Geschlechterfragen in Hinsicht auf die Diversität und Gleichstellung des Personals beschränkt. Stattdessen kann sich Geschlechterforschung mit allen erdenklichen Gegenständen, von der antiken Alltagsküche bis zu symbolischen Ordnungen in Computerspielen, um typische Beispiele zu nennen, beschäftigen.

Unabhängig von in der Tat möglichen Überschneidungen im Fall der geschlechtertheoretischen Wissenschaftsforschung (wo die beforschte Wissenschaft zugleich ein Arbeitsplatz ist), ist für den Cluster relevant, dass also Geschlechterforschung, anders als Diversity-Forschung, sich umfassend mit Gegenständen jenseits des beruflichen Arbeitsalltags befassen kann, wie etwa solchen Phänomenen, die in den Forschungsgegenständen selbst begründet sind. Dies macht sich das Rhizom zur Aufgabe, um in verflochtener Zusammenarbeit mit möglichst vielen weiteren Projekten das Erkenntnispotenzial von Geschlechterforschung für Bild, Wissen und Gestaltung produktiv werden zu lassen.

Methodik des Rhizoms zur Umsetzung Es liegt nahe, Begleitforschung als passende Methodik für ein solches Projekt, das sich mit den – bisher unbehandelten – Phänomenen von Geschlechtlichkeit in den verschiedenen Unterprojekten des Clusters befasst, zu sehen. Wissenschaftsforschung im Sinne der Begleitforschung, mit der hier anvisierten Fragestellung und Wissensobjekt ist auf dreierlei Weise herausfordernd: Das Vorhaben arbeitet nicht mit offenem Ausgang (wie dies der Fall wäre, wenn es darum ginge, etwa ein neues Forschungsfeld und dessen Arbeitsweise zu skizzieren) sondern folgt einer noch zu überprüfenden These, nämlich jener, dass das jeweils begleitete Projekt Phänomene von gendertheoretischer Relevanz auf sichtbarer Ebene aufweist. Anders als im Fall einer weniger konkreten Zielstellung ist die Forschung anhand einer solche Frage nach Geschlechterrelevanz weit zeitaufwendiger: Solche Phänomene sind selten offen bei punktuellem Blick zu erkennen, sondern zeigen sich erst bei genealogischer Gesamtschau einer Fülle von Material als vordergründig in beispielsweise den Vorannahmen des Feldes, oder aber sie findet sich vereinzelt in Gegenständen unter vielen.

Alternativ und mit einer stärkeren Betonung von Zusammen-Arbeit bieten wir Begleitforschung im Sinne einer an material feminism anschließenden geschlechtertheoretischen Methodik an, die davon ausgeht, dass Forschung stets im Barad’schen und Bohr’schen Sinne, ihre Gegenstände mit gestaltet und ebenfalls die Forschenden von ihr nicht unberührt bleiben. Für die Begleitforschung, der – zumindest in ihrer herkömmlichen Form – ein Aspekt von Nachträglichkeit, Beobachtungsstatus und Passivität anhaftet sowie der Dichotomie von Beforschte und (Gender-)Forschende, bedeutet dies, eine Veränderung in der Forschungspraxis: Der reine Beobachtungsstatus wird aufgehoben zu Gunsten einer expliziten und praktischen Involviertheit in gemeinsame Forschung auf gleicher Ebene mit den ‚Beforschten’. Dies begründet und setzt voraus, dass beide Seiten, Beforschte und Forschende Forschungsgegenstände der eigenen Expertise mitbringen, so dass sie von gleichem Niveau aus, gegenseitige Beeinflussung nicht nur in Kauf nehmend sondern provozierend, starten. Das Treffen auf gemeinsamen, heraus zu arbeitenden Gegenständen generiert das Engagement und die gegenseitige Anstiftbarkeit, aus der heraus Ergebnisse für die Geschlechterfragestellung erzielt werden. Diese Arbeitsweise entspricht der Participatory Action Research, die den vormals Beforschten Reflexionskompetenz selbstverständlich unterstellt und eine Gemeinsamkeit in der Zielstellung voraussetzt.

Es handelt sich insofern bei dem Gender Rhizom um ein gemeinsames Experiment, mit dem Potenzial, zugleich die Forschungsmethodik der Wissenschafts- und Geschlechterforschung voranzubringen. Diese gemeinsame Arbeit von beiden – bzw. eher von allen Seiten her – schafft eine gemeinsame experimentelle Situation nach unserem Wissen ohne Vorbild in der jüngeren Wissenschafts- und Genderforschung. Die Möglichkeit, für alle Beteiligten zusätzliche Kompetenzen in Gender Forschung zu erwerben dient der Nachhaltigkeit dieses Ansatzes. Für die entsprechende interaction ist das Projekt angewiesen auf die Beteiligung der Clusterprojekte.

Zielstellung und praktisches Vorgehen des Gender Rhizoms 

Das Projekt der Genderforschung im Interdisziplinären Labor erhielt daher den Namen Rhizom, dessen Bedeutung in seiner Abgrenzung von einer ebenfalls attraktiven Metapher deutlich wird. In der Vorbereitung zur Projektskizze war provisorisch der Begriff „krakenhaft“ zur Beschreibung seiner Struktur gewählt worden. Der Krake, eine Gattung der Tintenfische mit acht Armen, ist ein Bodenbewohner, wirkt also vom Grund her; er gilt als intelligent, lernfähig und friedliebend; er hat acht Arme, mit denen er von einem neuronalen Zentrum aus in die (vormals acht) Projekte des Clusters zugleich hineinwirken könnte. Er hat, bei guter Haltung, eine Lebenszeit von drei Jahren und (durchschnittlich) eine Reproduktionszeit von zwei Jahren und schien zunächst alles in allem als Metapher für die Laufzeit des Vorhabens bis Oktober 2017 hervorragend geeignet. Allerdings, gerade die Unterscheidung von Zentrum (Genderprojektleitung) und Peripherie (davon berührte Projekte) und die damit verbundene Anspielung auf Aktivität und Passivität führte dazu, den Begriff des Rhizoms zu bevorzugen. Das Rhizom, naheliegender Weise im Sinne Deleuze und Guattaris gedacht, ist ein Projekt aller, es ist durchdrungen von Gegenseitigkeit. Es wird am Ende weniger eindeutig sein, als bei einem Kraken, wer welche Anteile zum gemeinsamen epistemisch-praktischen Mulch beigesteuert hat. Das Rhizom hebt den allseits generativen Charakter des Gender Projekts hervor. Im Gender Rhizom ist gender eine ebenso kritische wie produktive Kategorie.